Webkunst by Andreas Möller

Fantasien vom Webstuhl

Solch traumhafte Decken und Schals kann nur Andreas Möller weben. Dafür wird der Hamburger mit Designpreisen überhäuft. Nebenbei hat er auch noch die jahrhundertealte Webtechnik verbessert.

Sommerschals

Wie ein Pfeil flitzt das Schiffchen hin und her. Klack, klack, klack. So schnell kann kein Auge folgen. Wer da so virtuos mit Händen und Füßen vor dem großen Webstuhl wie an einer Orgel agiert, ist der Hamburger Andreas Möller – einer der weltweit interessantesten Weber, der die jahrhundertealte Handwerkskunst neu aufleben lässt und dabei Dutzende von Auszeichnungen für seine modern designten, wollenen Decken und Schals einheimst.

Schals Abeba

Andreas Möllers neue Schals ABEBA aus feinster Merinowolle.

Mit zwölf Jahren entdeckt Möller in einer Schulstunde, wie seine Kameraden Fäden auf Pappe spannen und zu weben beginnen. „Ich habe gleich überlegt, wie man das besser machen könnte“, lacht er. Von der alten Handwerkstechnik ist Möller gleich so fasziniert, dass er damals schon entscheidet, Weber zu werden. Heute – inzwischen 46 – fertigt er nach vielen Jahren der Übung nicht nur Decken und Schals mit raffinierten Strukturen und einer plastischen Optik, sondern hat auch nebenbei die Webkunst revolutioniert.

„Eigentlich hat sich seit 1733, seit Erfindung des Schnellschusssystems, nichts mehr verändert in der Webtechnik“, sagt Möller. Als Tüftler hat es ihn einfach gereizt, den klassischen Webstuhl weiterzuentwickeln, rückenfreundlicher und schneller zu machen. Mehr aus Zufall ergaben sich dabei interessante dreidimensionale Strukturen in den Geweben. „Bei einigen weiß ich immer noch nicht genau, wie sie entstehen!“ Doch die Kunden lieben seine Experimente!

Schal

Das einfarbige Mittelteil zeigt den Verlauf des Knotens klar.

Wenn Andreas Möller nicht in seinem Atelier in Hamburg neue Techniken und aufregende Strukturen kreiert, reist er in der Welt umher, arbeitet in seinem Sommerdomizil in Finnland, gibt Kurse fürs Weben und Bauen von Webstühlen, stellt auf vielen Messen aus und hilft – zum Beispiel in Äthiopien –, das dortige Weberhandwerk auf neue Füße zu stellen: Er hat einen leicht nachzubauenden Webstuhl entworfen, mit dem fünf ortsansässige Handwerker Handtücher weben können. Über 2000 Stück hat Andreas Möller schon für sie in Europa und den Vereinigten Staaten verkauft. Echte Weberfreundschaft eben!

Infos und Bestelladresse: Andreas Möller, Bernstorffstraße 164, 22767 Hamburg, www.moeller-hamburg.com.

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Autor:
Brigitte Jurczyk